Bremen, Gegenwart. Ein ukrainischer Rocker. Eine rastlose Träumerin aus Gießen, die per Anhalter in einen Lastwagen steigt. Ein Afghane, der mit einer KI Liebesgeständnisse austauscht. Ein gescheiterter Fotograf, der Türsteher werden will. Eine Immobilienmaklerin, die in ein Korruptionsnetz gerät. Gofi Müllers Roman verknüpft lose scheinende Figurenporträts zu einem dichten Geflecht aus Wut, Sehnsucht und Schuld – und landet am Ende bei einem Mord am Werdersee, der alles zusammenzieht.
Wut. Liebe. Filmriss. ist ein Roman, der aus verschiedenen Perspektiven die Gleichzeitigkeit des modernen Stadtlebens – von der KI-Affäre bis zum Auftragsmord – formal und emotional einlöst, ohne die Kontrolle über seinen Ton zu verlieren.
Die Handlungsfäden laufen auf den Tod einer jungen Frau zu und danach zusammen. Wut. Liebe. Filmriss. ist kein herkömmlicher Roman, sondern ein Mosaik aus Schicksalen, das Gleichzeitigkeit als ästhetisches und philosophisches Prinzip ernst nimmt.
Lakonisch, direkt, gelegentlich trocken-komisch – und dann ohne Vorwarnung zärtlich oder brutal. Müller wechselt souverän zwischen figuralen Perspektiven, nüchternem Protokollstil (Chats, Zeitungsartikel, Signal-Nachrichten) und lyrischen Verdichtungen (das Gedicht „Letzte Nachricht“). Dialoge sind präzise transkribiert, mit Bremer Milieusprache („Diggi“, „Bock“, „Keine halben Sachen“) ohne folkloristisches Augenzwinkern. Die Gewalt kommt unvermittelt, die Poesie ebenso.
